Der Bergbund Rosenheim trauert um seinen Ersten Vorsitzenden

Bepp

Bepp

Am 26. September 2002 verstarb im Alter von 63 Jahren unser Erster Vorsitzender Bepp Bielmeier. Die Geschichte des Bergbundes (eine AV-Sektion wurde erst später daraus) war seit der Gründung als Ortsgruppe des Bergbundes München im Jahre 1947 mit dem Namen Bielmeier verbunden. Der Vater war Gründungsmitglied und ab 1952 Erster Vorsitzender. Unter seiner Regie kam die Mitteralm zuerst in die Verwaltung, 1960 dann in den Besitz des Vereins. Viele große Vereinsfahrten, wie sie heute kaum mehr denkbar sind, wurden von Josef Bielmeier sen. organisiert, so unter anderem die Nordkapreise vom 16.06. - 18.07.1965 eine Marokkoreise 1969 und eine Afrikareise 1971.
        Bepp ging durch die "harte Schule" seines Vaters, in der er auf äußerst sparsam durchgeführten Urlaubsfahrten kurz nach dem Krieg zwar die Alpen bis weit in den Süden kennenlernte, aber auch beinahe die Lust daran verloren hätte. Die Touren wurden alle mit dem Fahrrad bewältigt, Räder die damals ganz bestimmt noch keine Gangschaltung hatten, fast alles auf ungeteerten Straßen. Die Folge war, dass fast alle Bergpässe nur schiebend zu bewältigen waren. Später verweigerte Bepp die befohlene Teilnahme an Vereinsveranstaltungen. Er spielt lieber mit seinen Freunden aus der Sudetenlandstraße Fußball. Erst die Begeisterung für das Klettern führte ihn als Jugendlicher 1956 wieder in die Berge und auch zum Verein.

        Mit der Durchsteigung schwierigster Wände in den Ost- und Westalpen machte er auf sich aufmerksam. Besonders hervorzuheben ist die Erstbegehung der Tellistock Südwand 1960 mit Sepp Inwyler, eine Tour die heute als Klassiker des VI. Grades bezeichnet wird, sowie die Zweitbegehung der Schweizerführe an der Westlichen Zinne. Weitere bekannte Touren waren etwa Badile Nordostwand, Sulzfluh Hiebeler Führe und fast alle schweren Kaisertouren.

        Erst vor einigen Jahren gelang ihm eine Wiederholung der Tellistock Südwand. In der letzten Zeit behinderte ihn eine seit längerem vorhandene Verletzung an der Schulter beim Klettern, so dass er eher einfachere Touren im IV und V Grad ging. Dennoch versuchte er, im Verein eine Klettergruppe zu etablieren und möglichst vielen Kindern und Jugendlichen das Klettern nahezubringen.

Routensuche Klettern

Routensuche

Klettern

        Nachdem er einige Jahre in der Schweiz verbracht hatte, übernahm Bepp 1967 die Leitung der Jungmannschaft von Hannsjörg Finsterwalder. Seither führte er unzählige Touren für den Verein, leitete Ausbildungskurse, organsierte den alljährlichen Skikurs und viele Familienurlaube, Vereinsabende und Feiern. Nach Ämtern als Tourenwart und Zweiter Vorsitzender wurde Bepp 1994 Erster Vorsitzender der Sektion. Auch hier trat er wieder die Nachfolge Hannsjörg Finsterwalders an. Seine besondere Fähigkeit, mit allen Gruppen und Altersklassen innerhalb des Vereins im Gespräch zu bleiben, war das Hauptmerkmal seines Führungsstils als Vorsitzender und ein wichtiges Bindungs- und Integrationsmerkmal im Verein.

        In einem Artikel zur Festschrift für die 25 Jahr Feier der Sektion stellte Bepp die Entwicklung der Jungmannschaft innerhalb des Vereins dar. Aus diesem Bericht kann man herauslesen, was für Bepp immer besonders wichtig war. Nicht nur die schiere bergsteigerische Leistung, sondern dass alle daran beteiligt waren. Das Gemeinschaftserlebnis, die Möglichkeit gerade auch für Schwächere zu bieten, die Berge sicher zu erleben. Genauso wichtig war aber immer das Feiern, ausklingen lassen einer gemeinsamen Tour in der Hütte oder in der Wirtschaft. Dass dieser große Einsatz für den Verein auch seinen Preis für die Familie hatte, soll nicht unerwähnt bleiben. Die enge Gemeinschaft seiner Jugend und die starke Bindung an den Verein weiterzuvermitteln war seine Vorstellung. Dass dies heute, wo der Einzelne eben nicht mehr so auf die Gemeinschaft angewiesen sein will, nicht mehr zu praktizieren war, bedauerte er sehr. Oft tauchte die Frage auf, ob sich der Einsatz lohnt für die wenigen, die an den Veranstaltungen teilnehmen.

Faschingsball 1959

Faschingsball 1959

Skifasching vor 1961

Skifasching vor 1961

Skifasching 2002

Skifasching 2002

        Viele alljährliche Veranstaltungen der Sektion tragen seine Handschrift.
Den Anfang machte immer der Skikurs in der ersten Januarwoche. Bepp sah darin ein Möglichkeit, den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu knüpfen und so ihre Bindung an den Verein zu stärken. Eine nicht unerhebliche Zahl von Mitgliedern ist den Skikursen zu verdanken. Diese fanden zuerst auf der Kolpinghütte und auf dem Sagberghaus statt, später viele Jahre auf unserer Vereinshütte, der Mitteralm, auch in den Jahren, als der Liftbetrieb wegen der Streitigkeiten der Wendelsteinabhn mit einem Grundbesitzer eingestellt war. 2002 wechselten wir dann wegen der besseren Liftmöglichkeiten auf das Taubensteinhaus. Der besondere Reiz der Kurse lag in den Hüttenabenden mit Hüttenspielen, Geistergeschichten und Kissenschlachten in den Matratzenlagern. Mehreren Generationen von Bergbundlern wurde Bepp so zum alpinen Ski- und Ziehvater. Öfter erzählte er mir, dass er wenn es spät wurde, in die Schlafräume gehen und etwas böse tun mußte, damit endlich Ruhe einkehrte, obwohl er doch soviel Verständnis dafür hatte, dass die Kinder die Zeit auf der Hütte voll auskosten wollten. In manchen Jahren nahmen über 100 Kinder und Jugendliche am Kurs teil, Anfang und Mitte der 90er Jahre sank die Teilnehmerzahl etwas ab, aber in den letzten Jahren sorgte der Nachwuchs vom "Kindertisch" wieder für einen Anstieg der Teilnehmerzahlen.

        Dann war da der Skifasching mit Skitour auf den Spitzstein und anschließendem Kehraus, Bepp voraus mit der Musikbox auf dem Rücken und die Karawane zog hinterher. Weiter ging es mit dem Sonnwendfeuer, einer Paddeltour, dem Herbstfestbesuch und der alljährlichen Urlaubstour. Dieses letzte Mal in Cortina d'Ampezzo waren auf dem Zeltplatz über 30 Bergbundler zusammen. Für jeden war Bepp Auskunftsstelle und Ratgeber. "Ist mir das zu schwer?" "Wo ist der Einstieg?" Was kann ich bei dem Wetter machen?" "Wo gehst Du hin?" "Kann ich da mitgehen?" Es fiel Bepp immer schwer, jemanden für eine Tour abzulehnen. Eher wurde das Tourenziel geändert. Am Abend feierten wir gemeinsam und auch hier war Bepp immer bestrebt, alle an einem Tisch zu haben.

        Dann die vielen Vereinsabende, Dia- und Filmvorträge, die Bepp organisierte oder selber gestaltete. Seine heimliche Liebe galt dem Filmen und Fotographieren. Immer wieder hatte er auch im professionellen Einsatz Gelegenheit, sein Können auf diesem Gebiet unter Beweis zu stellen, so in der Werbefotographie oder bei einer Filmreportage über Alaska.
Auch seine vielen Filme über die Skikurse auf der Mitteralm oder Urlaubsfahrten fanden auf den Vereinsabenden großen Anklang. Besonders in Erinnerung blieben die Mittelformatdias über die erste Südamerikareise.

        Aber dies war nur eine weitere der vielen Leidenschaften, die sein Leben bestimmten. Dazu gehörte auch noch das Skifahren, das Segeln, das Kajakfahren oder Surfen. Bepp betrieb alles mit Leidenschaft und damit alles gut, was er machte und diese Leidenschaftlichkeit machte einen Teil seiner Anziehungskraft aus.

Kameramann

Im Einsatz als Kammeramann

        Wir wollen nicht versuchen, die Lücke zu schließen, die Bepp im Verein hinterläßt, wir wollen auch nicht seinen besonderen Stil kopieren, den Verein zu führen. Wir wollen aber doch die Sektion Bergbund Rosenheim als eigenständige Sektion des DAV weiterführen. Dazu aber braucht es die Unterstützung von Mitgliedern, die bereit sind, Aufgaben innerhalb des Vereins zu übernehmen.
Im Mai ist Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen der Vorstandschaft. Dann entscheidet es sich, ob unsere Sektion das Potential besitzt, eigenständig zu überleben.

Gemeinschaftstour Vorne weg

Gemeinschaftstouren einst und jetzt

Stubacher Sonnblick 1992 Piz Nuna 1990

Stubacher Sonnblick 1992

1990 Skitouren im Engadin

60. Geburtstag

60. Geburtstag. Bei Bepp im Keller

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