Perfekt erwischt
Jugendskitour auf den Großvenediger
25.01. – 27.01.2013

von Markus Tiefenthaler

Nach einer Reihe von Skitouren zur Vorbereitung ging es mit drei Jugendlichen in den Osterferien über die Kürsinger Hütte auf den Venediger. Das Wetter war instabil und wir mussten die Tour wegen einer Unpässlichkeit des Tourenleiters auch noch um einen Tag kürzen. So machten wir uns am Donnerstag, 24.04.14 auf den langen Weg zur Kürsinger Hütte. Zur Unterstützung waren noch Max und Rainer mitgegangen und nachdem noch ein Platz frei war, nutzte Astrid die Gelegenheit, auch mal aufs Haupt der "weltalten Majestät" (Ignaz von Kürsinger) zu steigen. Und der Weg ist richtig lang, vor allem, wenn es zwar kaum mehr Schnee gibt, aber eben noch gerade so viel, dass ein Transport zur Postalm nicht möglich war. Für uns hieß dies also zuerst mal bis zur Postalm die Ski durch die Krokuswiesen zu tragen und dann auf dem Weg zur Materialseilbahn auch noch dreimal abzuschnallen. Aber die Landschaft war schön und das Spiel "Wo pfeift das Murmel" half uns über die Wanderung hinweg.

Großvenediger Großvenediger

Noch wissen wir nicht, dass der Schnee erst ab der Postalm beginnt

Nach der Materialseilbahn klart es auf

Großvenediger Großvenediger

Vorsicht auf dem See

Ab hier geht es bergab zur Kürsinger

Erst ab der Materialseilbahn war dann durchgehend Schnee. In der Nacht war es bedeckt gewesen und der Schnee die perfekte Pampe. Aber im Tagesverlauf hatte es deutlich aufgeklart und allmählich konnten wir erste Blicke auf die Berggipfel wie Schlieferspitze und Geiger erhaschen. Dennoch war es brütend heiß und mit durchaus gemischten Gefühlen betraten wir die Eisfläche über dem Gletschersee, der die Stelle der ehemaligen türkischen Zeltstadt nun einnimmt. Wir hatten gelesen, dass der See immerhin fast 20 Meter tief ist. Entlang der Markierungsstangen stapften wir aufwärts, die Trinkflasche war auch schon leer und so waren wir heilfroh, als ein Wegweiser den höchsten Punkt auf dem Weg zur Kürsinger Hütte anzeigte und wir nach einer kurzen Abfahrt vor der Hütte standen. 5:30 Stunden waren wir unterwegs gewesen. Das erste Radler bzw. der erste Spezi auf der Terrasse der Hütte nun schon in der Sonne war verdient. Wenig war los. Das instabile Wetter hatte wohl einige abgeschreckt. Zunehmend wurden nun die Gipfel frei und wir konnten den ganzen Nachmittag von der Hütte aus das Schauspiel betrachten bis die letzten Sonnenstrahlen die Gletscher rot färbten und schlussendlich die Sterne am wolkenlosen Himmel funkelten. Die Hoffnung für morgen war groß.

Großvenediger Großvenediger

Die drei Jungs

Tobi vor dem Geiger

Großvenediger Großvenediger

Planung auf der Hüttenterasse

Abendrot

Und der Morgen hielt, was der Abend versprach. Die Schneeoberfläche war perfekt durchgefroren und Venediger und Geiger standen bereits in der Morgensonne als wir uns mit vier weiteren Aspiranten auf den Weg machten. Wer weiß, dass von dieser Hütte an manchen Tagen 250 Leute zum Gipfel aufbrechen, der kann unseren Dusel besonders ermessen.

Zuerst ein kurzer Aufstieg gefolgt von einer knackigen Abfahrt mit Fellen, bevor wir auf dem Gletscher standen und der Sonne entgegen liefen. Ohne Seil und ohne Harscheisen bei perfekten Aufstiegstemperaturen marschierten wir im gemäßigten Tempo zuerst Richtung Osten bevor wir langsam abbogen nach Süden um die Venedigerscharte zu erreichen. Im Schatten des Kleinvenedigers hatte sich sogar noch etwas Pulverschnee gehalten. Wieder in der Sonne auf der Scharte machten wir eine ausgiebige Pause und freuten uns wieder über unser "Massl". Tolle Sicht Richtung Großglockner und nach Norden über den Hochkönig bis zum Dachstein. Lediglich im Süden verdeckten Wolken den Blick auf die Dolomiten.

Großvenediger Großvenediger

Abendrot

Sterne

Großvenediger Großvenediger

Mit Fellen auf dem harten Schnee

Am Gletscher

Die letzten 300 Höhenmeter zum Gipfel waren dann rasch zurückgelegt und wir standen am Skidepot. Der Übergang zum Gipfel war locker wie selten, weder Steigeisen noch Pickel wurden benötigt. Gepokert und zum Glück gewonnen, denn ich hatte gesagt, dass wir beides zur Gewichtsreduzierung daheim lassen. Von der Johannishütte her kamen noch etwa 10 Leute hoch, aber für den Großvenediger ist das quasi menschenleer. Am Gipfel selber war es windstill und angenehm warm, so dass wir gut eine dreiviertel Stunde in der Sonne sitzen konnten, bevor uns der lange Weg zum Aufbruch mahnte. Das Auto stand immerhin 2700 Meter tiefer und gut 20km weg.

Großvenediger Großvenediger

Am Gletscher

Zum Gipfel

Großvenediger Großvenediger

Fernsicht

Am Gipfel

Die ersten Meter waren noch etwas verblasen, aber bald hatten wir brauchbaren Pulver und dann nahtlos Firn. Die Abfahrt auf dieser Seite ist zwar einfaches, aber immer schön gestuftes und ideales Skigelände. Erst ab dem Gletschersee waren dann längere Schiebepassagen zu überwinden, bevor die letzte Stufe hinunter zur Postalm nochmals einige Schwünge erlaubte. Dann war der Spaß aber zu Ende und wir stärkten und in der Postalm noch für den Marsch zurück zum Auto. Hier musste man dann einfach ein gewisses Maß an Stoizismus mitbringen, so dass man auf den 10 Kilometern mit den Skiern auf dem Buckel nicht mit dem Schicksal haderte.

Großvenediger Großvenediger

Pulver

Schieben

Großvenediger Großvenediger

Krokus

Wanderung

Resümee: Ich finde, dass diese Seite des Venedigers immer noch die lohnenswerteste ist. Besonders wenn noch kein Verkehr und Staub den Weg in das Tal vergällen. Und dass man sich so einen Tag wie diesen auch mal verdienen muss. Die Jungs, die dabei waren, haben das wohl getan, denn von unseren Jugendtouren hatten wir bei der ersten super Wetter und ... Schnee, bei der zweiten ... Wetter und tollen Schnee, die dritte konnten wir nicht machen weil beides mit dem Punkt-Wort zu bezeichnen war. Dann hatten wir noch einige Tage auf der Amberger Hütte verbracht und auch hier aber schon gar nichts von den Bergen gesehen. Und kein einziges Mal hatten die Jungs gemault. Ein perfekter Abschluss also und auf dem Weg nach Hause schliefen alle den Schlaf der Gerechten und träumten hoffentlich von endlosen Firnfeldern.

Ein besonderer Dank geht an Tobi Strasser, der die große Spiegelreflex mitschleppte und von dem die tollen Bilder sind (Gipfelfoto ist von Rainer).


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