Fortbildung Skihochtourenführer auf der Franz-Senn-Hütte
Gletscherbegehung und schwierige Gipfel
08.03. – 10.04.2011

von Markus Tiefenthaler
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Edu Koch

Nicht nur weil ich Ausbildungs- und Tourenreferent der Sektion bin, bin ich der Meinung, dass das Herz unseres Vereins die Tourenführer der Sektion sind. Damit will ich nicht in Abrede stellen, dass auch von anderen mit enorm viel persönlichem Einsatz wichtige Leistungen für die Sektion erbracht werden, aber das Wesen eines Bergsteigervereins sollte es nun mal sein, in die Berge zu gehen. Und dazu brauchen wir gut ausgebildete Tourenführer in allen Bereichen.

Vielleicht kann ich ja mit einem Bericht über eine Fortbildung im Bereich Skihochtouren dem (natürlich sehr gerne auch „der“) einen oder anderen die Ausbildung schmackhaft machen. Mir ist bewusst, dass dies in vielen Bereichen einen hohen persönlichen Einsatz erfordert, denn die Ausbildungen sind zeitintensiv, darüber will ich keinen im Unklaren lassen. Dazu kommt dann die Verantwortung die man auf sich nimmt, besonders wenn man mit Kindern und Jugendlichen unterwegs ist. Dennoch ist die Ausbildung eine persönliche Bereicherung an Wissen, Erfahrung und Sicherheit am Berg.

Anfang April war eine dreitägige Fortbildung mit dem Thema „Skihochtour mit Gletscherbegehung und schwierigem Gipfelanstieg“ auf der Franz-Senn-Hütte angesetzt und da ich sowieso zur dreijährigen fachspezifischen Fortbildung fällig war, meldete ich mich an. Das Wetter war prächtig und der Schnee extrem wenig, als ich mich auf den langen Marsch von Seduck aus machte. Nach Skitouren sahen die mit Krokus übersäten Hänge nicht mehr aus und in der Tat trug ich meine Ski auf über 2000 Meter bis kurz vor die Hütte. Erst dort konnte man sich vorstellen, „dass da was geht“.

Frühling

Bereits Frühling

11 Fachübungsleiter waren angetreten, um von zwei Bergführern des Bundeslehrteams die neuesten Informationen zu erhalten. Bis von Wien kamen die Teilnehmer! In einer abendlichen Planungsrunde kristallisierten sich schnell zwei Gruppen heraus, die eine mit eher etwas älteren (der älteste war 72 Jahre alt!) Fachübungsleitern und die „jungen Wilden“. Ich war nicht ganz sicher, ob ich da mithalten könnte, habe mich dann aber doch entschlossen, mich der jüngeren Gruppe zuzugesellen. Wir legten als Ziel für den nächsten Tag das Schrandele fest, ein im Winter selten gemachter Gipfel, weil der letzte Teil gut 200 Höhenmetern kombinierte Gratkletterei erfordert. Dies war aber genau das richtige Gelände zum Üben für uns. Mit möglichst genauer Planung der Route mit dem Festlegen von kritischen Abschnitten und Checkpunkten in der Karte verging der Rest des Abends.

Morgen

Zeitiger Aufbruch

Beim ersten Morgenlicht zogen wir los, denn es war starke Erwärmung vorhergesagt. Immer wieder versammelten wir uns auf dem Gletscher, um die Lage und Situation mit dem Bergführer zu besprechen, uns auf kritische Faktoren aufmerksam zu machen oder die günstigste Route festzulegen. Da ist immer wieder Konzentration und Geduld gefragt, denn gerne möchte man ja bei dem wunderschönen Wetter einfach losstürmen. Aber es ist eine Fortbildungsveranstaltung und dabei hat man halt die Möglichkeit, das eigene Handeln und Denken immer wieder mit einem Profi kritisch zu hinterfragen. Ein erster Knackpunkt war der steile Übergang über die Wildgratscharte. Kann ich diese Passage mit einer Gruppe noch ohne technische Hilfsmittel bewältigen? Wenn ich Hilfsmittel benutze, reicht ein Fixseil? Muss ich die Teilnehmer einzeln hochsichern? Reicht mir denn die Zeit noch, wenn ich hier ‚schon‘ mit dem Sichern beginne? Wir entschieden, dass es auf Grund der guten Trittstufen auch für eine Sektionsgruppe möglich sei, selbständig in der Scharte aufzusteigen. Oben angekommen machten wir aber gleich den ersten Fehler. Da der Platz wenig war querten die ersten sofort wenige Meter über lockere Felsplatten um dann in der bockharten, steilen Rinne auf der Westseite mit dem Abstieg zu beginnen. Die Nachfolgenden begannen die Querung als die Vorausgehenden bereits 20 Meter abgestiegen waren, genau in Falllinie der losen Platten. Zu wenig oder jedenfalls nicht das Richtige bedacht. Der Bergführer machte uns darauf aufmerksam.

Schrandele

Steile Rinne

Wieder mit den Ski ging es auf dem Gletscherbecken direkt auf den felsigen Gipfelaufbau des Schrandele los und wir diskutierten eifrig, wie der beste Weg zum Gipfel aussehen könnte. Eine schneegefüllte Rinne erwies sich beim Näherkommen schnell als unmöglich. Ein plattiger Felsbereich sperrte den Zugang. Aber dann zeigte sich eine andere Rinne, die direkt auf den Grat führte. Dort angelangt würden wir weiter entscheiden. Also Steigeisen angelegt, die Gurte trugen wir wie auf dem Gletscher üblich bereits seit dem Morgen. Der Grat erwies sich als luftig, aber offensichtlich waren keine Steilpassagen zu erwarten und auch die Felsen konnten wohl im Schnee umgangen werden. Die Frage war nur, was hier das richtige Sicherungsverfahren sei. Zur Wahl stand keine Sicherung, Einzelsicherung, Fixseil, gleichzeitiges Gehen am kurzen oder langen Seil. Da wir uns auf einem stark mit Zacken und freistehenden Felsen bestückten Grat bewegen würden, war die Empfehlung des Bergführers gleichzeitiges Gehen am langen Seil. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Seil vom Führenden über möglichst viele Zacken gelegt wird. Komplette Sicherung schied wegen des hohen Zeitbedarfs aus. Das Gehen am kurzen Seil ist eine Technik die Bergführern vorbehalten ist, auch wenn man häufig Väter mit Kindern auf diese Weise unterwegs sieht. Ohne ein spezielles Training und viel Erfahrung ist die Wahrscheinlichkeit einen Sturz halten zu können eher gering. Da der Aufstieg nur leicht steigend war, war auch ein Fixseil ungeeignet, weil auch hier der Aufwand für die nötigen Zwischensicherungen und das Umhängen der Sicherung viel Zeit in Anspruch nimmt. Ungesichertes Gehen wäre eine Alternative nur für eine sehr starke Gruppe gewesen.

Schrandele

Am Grat

Also seilten wir an und der erste legte die Spur auf den Grat, während der Bergführer ungesichert nebenher gehend jeden Einzelnen beobachtete und eine Rückmeldung gab. Zügig war der Gipfel erreicht. Aus dem Gipfelbuch ging hervor, dass die letzte Begehung aus dem Oktober 2010 datierte, also noch im Herbst erfolgt war. Recht überraschend in diesem doch gut besuchten Gebiet.

Schrandele

Abfahrtsfreuden

Zurück in der Scharte bauten wir einen Stand, um das Ablassen zu üben. An der Wildgratscharte machten wir unsere Sache diesmal besser und stiegen eng hintereinander in der nun weich gewordenen Rinne auf. Zuerst war die Abfahrt recht munter, dann aber kam der Bergführer auf die Idee, das Abfahren am Seil zu üben. Obwohl wirklich exzellente Skifahrer in der Gruppe waren, kamen wir nach wenigen Schwüngen in die Situation, dass der mittlere Fahrer quasi von vorne und hinten in unterschiedlichste Richtungen gezerrt im Schnee landete. Eine Mordsgaudi, wenn es denn nicht ernst ist. Im letzten Stück der Abfahrt wechselte der Schnee innerhalb weniger Meter zu einer richtig heimtückischen Brüchigkeit der Oberfläche, so dass mancher völlig unvermutet bis zu den Oberschenkeln einbetoniert war und sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien konnte.

Der Nachmittag wurde mit Übungen zur Spaltenbergung im Umfeld der Hütte verbracht. Auch hier gab es für mich wieder einiges an Auffrischung.

Knotenspitze

Aufstieg am Fixseil

Am nächsten Tag im Prinzip das gleiche Spiel. Wieder Aufstieg in eine steile Scharte und wieder die Frage nach der richtigen Sicherungsmethode. Wir gingen zuerst am langen Seil los, aber bald war klar, dass hier zu wenig Felszacken einen Sturz bremsen konnten. Also legte ich eine Zwischensicherung und ging weiter. Aber jetzt hatte der zweite Teilnehmer die Sicherung erreicht und wenn er nun das Seil umhängte, gab es einen Zeitpunkt, in dem alle ungesichert stehen würden, bzw. würden nach dem Umhängen zwei Teilnehmer der Gruppe bei einem Ausrutscher nach unten gezogen werden. Außerdem führte der Aufstieg nun in einer kurzen Steilpassage direkt nach oben. Hier war gleichzeitiges Gehen völlig ungeeignet. Daher wurde ein Standplatz eingerichtet und alle Teilnehmer der Gruppe nachgesichert. Dann stieg ich wieder gesichert in möglichst direkter Linie auf und fixierte auf dem Grat angekommen das Seil. Die Teilnehmer der Gruppe bewältigten diesen Abschnitt dann mit einer Kurzprusik, die ins Seil eingehängt worden war, wobei eine weitere Schlaufe die Gefahr ausschaltete, dass der Prusikknoten bei einem Sturz ins Seil durch unwillkürliches Umklammern nicht klemmt.

Nach dem Abstieg vom Gipfel konnten wir eine tolle Abfahrt genießen. Es folgte noch eine Abschlussbesprechung auf der Hütte, bevor wir wieder unseren ganzen Kram einschließlich der Ski schulterten und den Weg ins Tal antraten. Zum Glück konnten wir uns den Hatscher von der Materialseilbahn nach Seduck sparen, weil sich ein Teilnehmer am Knie verletzt hatte und der Wirt uns erlaubte mit dem VW-Bus die gesperrte Straße zu befahren. Erstaunlich, wie wenig Platz man braucht, wenn die Alternative 5km Fußmarsch sind.

Knotenspitze

Freiheit

Zwei sehr lehrreiche Tage lagen hinter uns. Ich hatte wieder einmal gesehen, wie viele Dinge zu berücksichtigen sind und wie schnell man auch einer falschen Einschätzung unterliegt. Hier rechtzeitig gegenzusteuern, mögliche Fehler zu erkennen und zu vermeiden ist wichtiger Bestandteil der Führungsarbeit.

Bei Fragen zur Ausbildung zum Fachübungsleiter, egal in welchem Bereich, könnt Ihr mich jederzeit ansprechen. Derzeit gibt es folgende Ausbildungsrichtungen:

  • Bergsteigen und Hochtouren
  • Skibergsteigen und Skihochtouren
  • Mountainbike
  • Klettern im Klettergartenbereich inkl. Klettergarten oder Alpinklettern
  • Skilauf Alpin

Weitere Ausbildungsmöglichkeiten sind z.B. Familiengruppenleiter, Jugendleiter oder Wanderleiter.

Der Verein unterstützt die Ausbildung (auch finanziell) stark. In Einzelfällen kann die Förderung bis 100% betragen. Wir machen keine Vorgaben, wie viele Touren geführt werden sollen, sondern setzen darauf, dass jeder das ihm mögliche machen wird. Unsere Tourenführer erhalten eine mäßige Aufwandsentschädigung bei Vereinstouren, die in der Regel (knapp) die eigenen Kosten ersetzt. Da wir auch weiterhin unsere Touren kostenfrei anbieten wollen, wird sich daran in der nächsten Zeit nichts ändern.


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