In den Julischen Alpen

06.07. - 08.07.2018

von Markus Tiefenthaler

Vor vielen Jahren hatte ich in einem Familienurlaub einen Tag Auszeit genommen und war in einer ziemlich ausgedehnten Tour an einem Tag mit dem Radl vom Wocheiner See zum Straßenende in der Alp Voje gefahren und dann von der Südseite über die Vodnikov dom zum Triglav aufgestiegen. Nach 13 Stunden war ich wieder zurück am Campingplatz. Schon damals hatte ich die Hütte so gemütlich gefunden und den Weg so schön, dass ich mir immer vorgenommen habe, diese Tour mal auf einige Tage verteilt für den Bergbund als Führungstour anzubieten.

Schlappe 18 Jahre später ist es nun soweit und nach schwierigen Reservierungsverhandlungen machen wir uns zu siebt auf den Weg nach Slowenien. Auf der Karte ist knapp oberhalb Stara Fuzina ein Parkplatz eingezeichnet, den wir bei regnerischem Wetter ansteuern. Der Parkscheinautomat vermeldet eine Parkgebühr von 1,50 € für 2 Stunden. Ein Tagesticket gibt es nicht und nach einer groben Hochrechnung für 3 Tage ergeben sich 72,- € Parkgebühr. Das kann es nicht sein.

Eine Rückfrage bei einem Parkwächter ergibt auch keine andere Lösung, außer dass wir hochfahren könnten zum nächsten Parkplatz auf der Mautstraße, hier wurden pro Tag 10,- € fällig. Auch nicht gut, aber immer noch besser, auch wenn mir damit schon klar ist, dass ich nach der Rückkehr nochmal 1,5 Stunden rauflaufen und das Auto holen durfte.

Krainer Lilie

Krainer Lilie

Egal, heute verkürzt es unseren Anstieg und da es bereits zu regnen beginnt, kommt uns das sehr recht. Später finden wir heraus, dass es wegen der Parkplatznot um den See seit einigen Jahren einen großen Parkplatz weiter unten im Tal und einen kostenlosen Pendelbus hierher gibt.

Dem ersten Schreck folgt gleich ein zweiter, denn ein Schild weist aus, dass der Weg zur Hütte gesperrt ist wegen Windbruch. Allerdings beginnt die Sperre erst ab zehn Uhr, was uns etwas eigenartig erscheint. Da es noch kurz vor 10 Uhr ist, nehmen wir also den steilen Aufstieg unter die Sohlen. Der früher schöne Weg ist komplett von einer extrem steilen, neuen Forststraße überlagert. Als sich von hinten ein Auto nähert, befürchte ich schon, dass es nun Ärger geben könnte, aber der Wagen quält sich weiter die Piste hinauf.

Ein gutes Stück weiter wird uns auch klar, warum die Straße ab zehn Uhr gesperrt ist, denn kurz hinter dem abgestellten Fahrzeug versucht nun ein Bauarbeiter einen Bagger zu starten, der die ganze, sehr schmale Straße versperrt und sich in Kürze weiter den Hang hinauffressen wird. Wir aber können unseren Weg nun ungestört fortsetzen und bald wird die Straße zu einem wunderbaren Weg, der abwechselnd durch dichten Wald und Almflächen nach oben führt.

Nach gut 3 Stunden erreichen wir den Rand eines riesigen Kessels, genannt Velska dolina. Am Rand liegt unsere Hütte und gegenüber wird der Blick auf den Triglav frei. Die Hütte wurde in den letzten Jahren vorsichtig in Stand gesetzt, ist aber immer noch urgemütlich und obwohl der Regen mittlerweile nachgelassen hat, sind wir ziemlich durchnässt und froh um die warme Unterkunft. Jetzt ist die Hütte noch leer, aber das soll sich bis zum Abend ändern. Dennoch bleibt es gemütlich und als am Nebentisch einige Slowenen zu singen und musizieren anfangen und bald die ganze Hütte mit einsteigt, wird es ein Hüttenabend, wie man es sich vorstellt.

Vodnikov dom Zum Triglav

Vodnikov dom

Zum Triglav

Ein erster Blick am Morgen zeigt, dass sich das Wetter wie erhofft langsam bessert. Also wandern wir nach dem Frühstück los, während sich noch viele Slowenen ihr mitgebrachtes Frühstück auf dem eigenen Kocher vor der Hütte wärmen. Hier wird schon schnell erkennbar, dass sich viele trotz der für uns günstigen Preise keine Vollpension auf der Hütte leisten können.

Ich habe mir ausgerechnet, dass wir den Klettersteig zum Triglav so erreichen sollten, dass der erste Ansturm vom Triglavski Dom, dem üblichen Ausgangspunkt, bereits weit oben unterwegs zum Gipfel ist, und wir einigermaßen freie Bahn hätten. Der Plan geht auch ganz gut auf. Bei der Annäherung sehen wir noch eine durchgehende Menschenkette wie Ameisen an den Sicherungsseilen hinaufklimmen, aber als wir vor Ort sind, können wir direkt einsteigen, nachdem wir die Ausrüstung angelegt haben. Ein paar Mal sind Wartezeiten unvermeidlich, aber die Sonne scheint uns mittlerweile an und die Aussicht ist grandios, so dass das nicht viel ausmacht. Dass man am Triglav nicht alleine sein wird, war ja abzusehen. Es ist aber doch immer wieder überraschend, wie wenig geeignet manche für den Aufstieg sind. Gut, dass der Weg durchgehend versichert ist.

Zum Triglav Zum Triglav

Zum Triglav

Zum Triglav

Zum Triglav Zum Triglav

Stau lädt zur Rast ein

Zum Triglav

Triglav

Triglav

Bereits auf dem gestrigen Weg, aber auch heute bestaunen wir immer wieder die üppige Farbenpracht der Blumen. Die Julischen Alpen sind wilde Berge und dank des Nationalparks ist viel von der Ursprünglichkeit erhalten. Und abseits der bekannten Gipfel findet man noch sehr ruhige Wege. Der Triglav selber erinnert mich immer an den Watzmann, wild und großzügig, aber auch überlaufen. Über den Erstbesteiger des Watzmann, den slowenischen Priester Valentin Stanic, der den Gipfel im August 1800 erreichte, gibt es auch eine direkte Verbindung, denn 1808 bestieg er auch den Triglav.

Alpenmohn Frühlings-Enzian

Alpenmohn

Frühlingsenzian vulgo Schusternagerl

Als bekennender Rundtour-Fan will ich natürlich nicht den gleichen Weg wieder hinuntersteigen, sondern noch eine Nacht diesmal auf der Zasavska koca bleiben und dann über die sieben Seen und die Save-Quelle zurück nach Stara Fuzina gehen. Die ersten 300 Höhenmeter des Abstiegs sind steil und steinschlaggefährdet und immer auch wieder ordentlich ausgesetzt, aber wo nötig helfen gute Sicherungen weiter und so erreichen wir bald wieder die Karsthochfläche. Hier sind schon deutlich weniger Leute unterwegs. Im Rückblick kann man sich überhaupt nicht vorstellen, dass man mehr oder weniger problemlos durch die Wandflucht gestiegen ist und einige sind mit Recht stolz auf sich.

Steil Alpenmohn

Steil

Alpenmohn

Ein weiter Weg führt uns durch die unübersichtliche, stark gegliederte Landschaft zur Koca na dolicu, wo wir eine kleine Rast einlegen. Eigentlich wollte ich von hier über einen wilden Terrassenweg, den Pot Mire Marko Debelakove zu unserem Quartier gehen, aber eine Nachfrage auf der Hütte hatte ergeben, dass noch Schneereste auf dem Weg lägen und daher der Steig nicht empfehlenswert sei. Schade, aber Sicherheit geht vor und aus der Ferne kann man das ja auch nicht beurteilen. Daher gehen wir weiter über den Dolic-Sattel und das ist auch keine schlechte Alternative über weite Karstflächen und vorbei an kleinen Bergseen. Kurz vor der Hütte muss ich dann einem der Seen noch einen näheren Besuch abstatten, was sich als äußerst erfrischende Unterfangen erweist.

Die Hütte liegt auf einem fantastischen Aussichtspunkt mit freiem Blick nach Westen zu den wilden Gipfeln jenseits des Socca-Tales. Der Sonnenuntergang lockt mich und viele andere vor die Hütte. Rot leuchten die Felsen und als vor der Hütte einige Steinböcke auftauchen wirkt es schon fast wie inszeniert.

Abendstimmung Abendstimmung

Abendstimmung

Abendstimmung

Morgen

Morgen

Auf der Karte gibt es zwei Möglichkeiten, zur Hütte bei den Triglav-Seen abzusteigen. Ich hatte auf der ersten Hütte einen slowenischen Bergsteiger und Mitglied der örtlichen Alpenvereinssektion, der sich sehr gut auskannte, dazu befragt und er hatte gesagt, dass der ober Weg über den Veliko Spicje sehr empfehlenswert sei, aber auch ein paar leichte Kletterstellen aufweise. Also gehen wir am nächsten Morgen nicht bergab, sondern steigen über Felsen, Schrofen und wunderbare Blumenwiesen zum Grat auf, auf dem es dann gut 2 Stunden immer aussichtsreich entlang geht. Etwas Spürsinn für die Wegfindung ist hilfreich, denn es sind kaum Markierungen erkennbar. Und wir treffen nur einen anderen Bergsteiger.

Zeleno Jezero Zum Veliko Spicje

Zeleno Jezero

Zum Veliko Spicje

Dann geht es steil hinunter zu den Triglav Seen und von dort zur Save-Quelle, wo uns der Touristenrummel wiederhat. Kurz bevor ein kräftiges Gewitter niedergeht und die Menschen vom See vertreibt, erreiche ich das Auto und dann stehen wir talaus. Aber wir können es keinem verdenken, wenn er auch hierherkommt, um die Schönheit des Triglav Nationalparks zu erleben.

Dolina Triglavskih Edelweiss

Dolina Triglavskih

Edelweiss


home | webmaster