Dolomiti di Brenta Bike
Und wo sind die Bären?
05.07. – 08.07.2012

von Markus Tiefenthaler

Die Klettersteige in der Brenta gehören sicher mit zu den bekanntesten Dolomitenzielen. Vor einigen Jahren aber hat sich die Provinz Trentino aufgemacht, auch für die Radlfahrer etwas zu bieten. Der zentrale Teil der Brenta bleibt zwar weiterhin nur entschlossenen Radlträgern vorbehalten, aber rund um den Stock der Brenta wurde eine gut beschilderte Tour angelegt, die in mehreren Varianten und Höhenlagen für einige Ansprüche etwas zu bieten hat. Ich würde nun nicht so weit gehen, die „Expert-Tour“ genannte Strecke auch so einzuschätzen. Zu gering sind eigentlich die Ansprüche. Ich würde sagen, dass die Tour für jeden einigermaßen ambitionierten Bergradler locker drin ist.

Sporminore Weg

Vor der Abfahrt

Netter Weg

Wie dem auch immer sei, ich hatte mir also vorgenommen, den Weg rund um die Brenta in vier Tagen für 2012 anzubieten. Einige Tüftelei war nötig, um aus dem für 5,- € erhältlichen Streckenplan eine Tour zusammenzustellen, die überwiegend die Höhepunkte der Runde beinhaltet, aber eben auch ohne allzu großen Stress in der verfügbaren Zeit zu fahren ist. Am Ende des Tages kam so eine Runde mit ca. 190km und 6500 Höhenmetern raus. Dabei wollten wir zweimal auf Hütten übernachten und einmal im Tal. Die Hüttenübernachtungen hatte ich auf dem Rifugio Peller und dem Rifugio Graffer reserviert, im Tal hoffte ich einfach vor Ort etwas zu finden. Nachdem die Brenta im letzten AV-Jahrbuch so beworben und auch die Rundtour Dolomiti die Brenta Bike in vielen Radlerzeitschriften genannt worden war, hatte ich etwas Sorge, ob nicht sehr viel Betrieb auf der Strecke ist, aber die Sorge war unbegründet. Nur auf dem Weg zum Rifugio Graffer, das auch vielen Alpendurchquerern als Quartier dient, waren nennenswert Radler unterwegs.

1. Tag: Sporminore - Tuenno - Rifugio Peller
40KM 1900HM

Türkenbund Zum Rifugio Peller

Türkenbund (Dank an den aufmerksamen Leser)

Kurz vor dem Tagesziel

Wir starteten also wie immer am frühen Morgen über den Brenner. In Sterzing schien noch die Sonne, aber je weiter wir kamen, desto mehr verdunkelte sich der Himmel und kurz nachdem wir in Mezzo Corona die Autobahn verlassen hatten, fing es zu regnen an. Sehr ärgerlich. Ein Cappuccino und ein Hörnchen dazu hoben zwar etwas die Stimmung, aber der Auftrieb war schon geschwächt. Da wir aber doch einiges an Strecke vor uns hatten, konnten wir nicht allzu lange abwarten und so ging es noch ein paar Kilometer weiter nach Sporminore. Bei Regen im Bus in die Regenklamotte gezwängt, noch die Regenhülle über den Rucksack und als wir damit fertig waren, hörte der Regen auf. Na gut, besser so.

Durch schönen Wald über angenehm fahrbare Wege ging es zuerst Richtung Norden über Tuenno nach Cles. Das Wetter hielt auch und so waren wir recht frohgestimmt unterwegs. Allerdings war auch viel Strecke durch Apfelplantagen gelegt, so eigentlich in den Bergen fühlte man sich nicht. Dies änderte sich erst, als der Weg nach Süden einbog zum Rifugio Peller. In einem saftigen Stück ging es über 1000 Höhenmeter bis auf die Hochebene unter der Hütte und dort fanden wir denn auch, was wir suchten. Bergblumen, schöne Wiesen und erste Blicke auf die Berge, in diesem Fall der Monte Peller mit den eigenartigen eiszeitlichen Spuren am Nordabsturz. Ein letztes, steiles Stück auf die Hütte warf einige aus dem Sattel, aber dann waren wir angekommen und sofort angetan von der liebevoll hergerichteten und blitzsauberen Hütte. Auch die sehr freundliche Hüttenwirtsfamilie (besonders die Tochter, sagten unsere mitfahrenden Damen) trug zum Wohlfühlcharakter bei. Prädikat: Sehr empfehlenswert. Nach dem Abendessen kam dann noch der Wirt mit der Schnapsflasche vorbei. Weil er ein Glas zu viel abgezählt hatte, musste er ein Stamperl mit uns trinken. Auf die Frage, ob der Schnaps aus der Gegend sei, sagte er uns, dass es ein Eigenbrand sei, aber wir sollten nichts weiter sagen und er legte die Hände über Kreuz wie ein Mann in Ketten.

Peller

Rifugio Peller

2. Tag: Rifugio Peller - Male - Malga Magno - Rifugio Graffer
42KM 1890 HM

Wolkenverhangen Abfahrt

Wolkenverhangen

Abfahrt vom Rifugio Peller bei Sauwetter

Eigentlich hatte ich am Morgen zeitig starten wollen, aber um 5:30 Uhr regnete es! Auch um 6:30 regnete es und noch dazu Blitz und Donner. Kein Wetter, um die Hütte zu verlassen. Erst gegen 8:00 Uhr hatte sich dann das Gewitter verzogen und wir konnten die lange Abfahrt antreten, leider immer noch bei Regen. So sahen wir zur Abwechslung mal wieder keine Berge. Erst in Male hörte der Regen auf und die verdreckten Klamotten konnten weggepackt werden. Wieder stand uns eine sehr lange Auffahrt von Male, 740 Meter hoch bis zum Rifugio Graffer auf 2263 Meter bevor. Wir besorgten uns noch ordentlich Brotzeit und dann ging es sehr schön entlang eines Baches und durch eine Schlucht hoch zur Malga Magno. Hier trafen wir auf die Liftanlagen von Madonna di Campiglio, die uns nun bis zum Rifugio Graffer begleiteten. Nicht gerade sehr reizvoll, aber die tollen Blumenwiesen und erste Blicke auf die Felstürme der Brenta machten manches wieder wett. Auch heute wieder einige sehr steile und schottrige Passagen auf dem Weg zur Hütte. Leider war das einem Schnellrestaurant ähnliche Innere der Hütte an der Seilbahn nicht wirklich anheimelnd. Aber das Essen war in Ordnung und beim Schlafen ist es egal.

Auffahrt Graffer

Doch noch schön

3. Tag: Rifugio Graffer - Madonna - Malga Valagola - Malga Stablei - Binio - Stenico
55KM 1300HM

Brenta Brenta

Trail

Vage Einblicke in die Brenta

Auf das nächste Stück war ich schon gespannt, denn auf der Karte war ein schwieriger Trial eingetragen. Das Wetter sah besser aus, aber in den Bergen hingen immer noch viele Wolken. Aufbruch gegen 8:00 Uhr und da zuerst wieder eine lange Abfahrt bevorstand bis hinunter nach Madonna di Campiglio waren wir ordentlich eingepackt. Einige schottrige Meter zurück auf der Hüttenstraße, dann zweigte der Weg über schönes Almgelände ab. Da kam richtig Spaß auf. Leider nicht so ganz lange, allzu früh war wieder eine Schotterpiste erreicht, die hoch zu einer Hütte führte, die Fiat gehört. Das Leben treibt durchaus seltsame Blüten. Hinter der Hütte standen in den Wiesen einige zu Schneekatzen umgebaute Fiat Panda und wir konnten uns lebhaft vorstellen, wie die Fiat-Manager hier in der erst kürzlich beendeten Skisaison durch die Landschaft bretterten.

Madonna ist so, wie diese gewucherten Promiorte in den Alpen eben sind. Guter Cappuccino war eines der wenigen lobenswerten Dinge, auch ein kleiner Laden zum Erwerb feiner Brotzeitwaren. Die Weiterfahrt machte das aber doch wieder wett, denn der Weg zur Malga Valagola und dem gleichnamigen See war wirklich schön. Eine saftige Schiebestrecke wartete dann hinauf auf den Bregn dal Ors. Heinz hatte noch etwas „Absteigen auf der falschen Seite“ mit Abflug über den steilen Latschenhang geübt. Gottseidank war nichts Ernsthaftes passiert und Heinz ist hart im Nehmen. Einige Zeit legten wir uns in die Blumenpracht aus Arnika, Margeriten und Glockenblumen, bevor uns der Weg über den Passo del Gotro zur Malga Movlina führte. Vorbildlich gibt es dort eine öffentliche Toilette. Möglicherweise ist dort zur rechten Zeit mehr los, als wir es erlebten.

Brenta Brenta

Rast

Blumenwiese

Eine steile Abfahrt brachte uns auf die Westhänge hoch über der Sarca. Gnadenlos hatte ein Bagger die Straße umgepflügt und kaum mehr drehten sich die Räder durch die verschlammten Bremsen und Rohre. Gutes Material ist Pflicht, man muss sich immer wieder wundern, was die Räder alles wegstecken. Der Weiterweg war aber sehr lohnend, immer wieder schöne Trialpassagen mittlerer Schwierigkeiten bevor wir bei der Ponte del Lisan auf die Straße trafen. Irgendwie fehlten auf diesem Abschnitt 300 Höhenmeter Auffahrt. Wenige Kilometer weiter in Stenico wollten wir übernachten. Gleich am Ortseingang hing ein Schild mit dem Hinweis, dass eine Ferienwohnung zu vermieten sei und einer der alten Männer auf der Bank vor dem Haus kam auch sofort auf uns zu als er uns etwas entschlusslos stehen sah. Ja, die Wohnung sei frei und Platz hätte er auch für Alle. 40,- € für Übernachtung, Abendessen und Frühstück. Was wollten wir mehr. Sofort holte er seine Frau, recht offensichtlich die Chefin im Haus. Dieses lag steil am Hang, so dass es von der Straße eine Treppe hinunterging und wir dann dennoch auf einer Terrasse hoch über dem Tal in der Abendsonne gegenüber der Burg von Stenico und mit Blick auf die Sarca ein erstes Bierchen tranken. Etwas kultivieren, denn wie gesagt, wir hatten wieder eine reichliche Last an Dreck aufgenommen an diesem Tag. Zum Abendessen wurden wir in das Wohnzimmer der Familie geführt. Der Schwiegersohn war für die Unterhaltung zuständig, während die 74 Jahre alte Tita Alice auffuhr, dass sogar hungrige Radlermägen beruhigt schnurrten. Extra wurden ganze Gläser selbst eingelegter Pilze und Flechten (wohl eine einheimische Spezialität mit fein säuerlichem, erfrischendem Geschmack) aus dem Keller geholt und zum Abschluss gab es dann natürlich Espresso und einen Grappa. Ein richtiger Glückstreffer. Wir wollten uns etwas die Beine vertreten nach dem üppigen Essen und wanderten einige Male die Hauptstraße auf und ab, bevor in der einzigen Bar des Ortes ein Schlummertrunk erworben wurde. Auf der Terrasse saß sich immer noch gut und so klang der Tag perfekt aus. Ein Hoch auf Tita Alice.

4. Tag: Stenico - Molveno - Sporminore
50KM 1300HM

Brenta Brenta

Noch taufrisch

Stenico

Der nächste Tag führte dann in häufigem auf und ab zurück nach Sporminore. Ein Schock war noch Molveno am Sonntag. Der volle Terror. Bis auf den Abschnitt in San Lorenzo in Banale sieht man leider nicht mehr allzu viel von den Bergen der Brenta. Die Bilanz ist etwas gemischt. Perfekt beschildert, eine gute Wegführung und viele auch landschaftlich reizvolle Abschnitte, aber verglichen mit den spektakulären Passagen der Dolomitentour von 2010 halt einfach zu wenig Sicht auf die Berge. Die Brenta bleibt also aus meiner Sicht eher etwas für den Bergsteiger. Zurückkommend auf den Titel: Obwohl der Werbeslogan lautet "Auf den Spuren des Bären" sahen wir keinen und vielleicht war das den meisten auch lieber so.

Brenta Brenta

Andalo

Punktlandung


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