Die Geschichte von Kain & Abel, dem 7ten Himmel und Kaminen …

Erlebnisbericht – "Sportklettern in Arco", April 2016

von Manfredo C. Frei
Geführt von Martin & Franz Heiß

Regenwahrscheinlichkeit 80% und mehr – die Bildchen mit den Regenwolken auf den Internetseiten der Wetterfrösche wollen sich partout nicht in "Sonnen" umwandeln; die Gedanken an ein verregnetes Kletterwochenende lassen allmählich ernste Zweifel aufkommen: sollen wir trotzdem fahren?!

Wir beschlossen es trotzdem zu wagen - Freitag 22. April, Treffen 7 Uhr am P&R in Raubling. Die Teilnehmer kannten sich mehr oder weniger noch nicht, das gemeinsame Thema war aber gleich gefunden – "Wie wird das Wetter"; aber mehr dazu später…

Die Chemie hatte jedenfalls gleich von Anfang an gepasst, so zumindest schon mal eine gute Ausgangsbasis. Schnell wurden die Autos umgeladen, das "wer sitzt wo" geklärt und schon ging’s los. 6 Teilnehmer und unser Guide Martin Heiß auf 2 Autos verteilt ging’s staufrei Richtung Lago. Spätestens nach dem Brenner war klar: zumindest heute wird’s ein Supertag.

Casa Campedello

Casa Campedello

Kurz vor Mittag erreichen wir die Casa Campedello, hoch über Torbole, unser Zuhause für die nächsten Tage. Hier treffen wir noch auf den Rest unserer Crew, Martin’s Bruder der Franz und – wir staunen ned schlecht – 2 Senioren, beide stolze 75 Lenze alt, Werner und Eckhardt. Der Altersschnitt hebt sich, das Leistungsniveau wird darunter jedoch nicht leiden, wie wir schon kurz darauf live erleben dürfen.

Es geht nach Nago in den Klettergarten, Martin und Franz nehmen uns erst mal unter die Lupe, geben Tipps hier und da; sicherheitshalber frischen wir Standplatzbau, Sicherung, Abseil-technik usw. auf, so dass es hier für die nächsten Tage schon mal keine Missverständnisse gibt, schließlich sind wir ein bunt zusammengeworfener Haufen. Geklettert wird natürlich auch und erste Grenzen zeigen sich auf; die in Italien eher verbreitete Französische Skala lässt einen aufgrund der tendenziell niedrigeren Zahlen dann doch recht schlecht bemerken, dass das jeweilige Pendant auf der hierzulande besser bekannten UIAA Skala dann vielleicht doch eher ein Hauseck zu hoch gegriffen war. Und hier haben uns die beiden Senioren auch gleich mal klargemacht, dass sie uns ned ausbremsen werden – Respekt!

Irgendwann ging’s dann zurück in die Casa Campedello und anschließend gleich weiter zum Pizzaessen nach Ronzo. In gemütlicher Runde wurden dann die Topos für den nächsten Tag besprochen, und lustig war’s oben-drein.

Standplatz

Standplatz

Samstag, 8 Uhr Aufbruch; allen Wetterberichten zum Trotz, die Sonne schien, der Regen blieb aus – wir teilten uns in 2 Teams auf und dann ging’s auch schon kurz später los, geführt jeweils von Martin und Franz. Nach kurzem Zustieg erreichten wir die beiden Routen "Via Caino e Abele" und "Via Settimo Cielo". Die "Caino" (obl. 6a/150m/5SL) verläuft spektakulär direkt an der steil abfallenden Kante nach oben. Gleich in der ersten Seillänge trifft man auf die Schlüsselstelle (6a+), die weiteren 5 SL verlaufen nicht minder spannend. Auf der 3. SL quert man ein schmales Band, leicht ansteigend, zur einen Seite aber senkrecht über mehrere hundert Meter abfallend. Ein Blick über die Kante lässt einem noch die Relikte vergangener Kletterpioniere sehen, einige verrostete Schlaghaken auf einer großen Platte machen klar, die Urheber dieser ehemaligen Route waren scheinbar „recht wuide Hund“.

Team 2 machte sich derweil an den "7ten Himmel" (obl. 6a/110m/4SL), eine nicht minderschöne Tour, ebenfalls super gesichert und mit tollen Panoramaausblicken. Nach kurzem Abstieg an der Kante entlang trafen wir uns wieder am Ausgangsort, nun tauschten wir die Routen, so dass letztendlich beide Teams beide Routen gingen.

Ruckzuck vergingen die Stunden, nach „Rückfrage“ bei unseren Mägen war’s wohl auch an der Zeit, Feierabend zu machen. Gleiches Prozedere wie gestern, schnell duschen und abermals in die Pizzeria nach Ronzo. In geselliger Runde dann die Tourenbesprechung für Sonntag, dieses Mal ging’s nach Arco, ausgehend vom Parkplatz der Pizzeria Lanterna.

Im Kamin Im Kamin

Im Kamin

Im Kamin

Nach kurzer Diskussion konnten sich alle einigen, wer denn wohin geht – insbesondere unsere Mädels ;-)
Heute standen die "Via Calliope" (5+ 6-/190m/6SL) und "Via Selene" (6/260m/8SL) auf dem Plan. Beide Routen insgesamt anspruchsvoller und etwas länger, zurück nach Rosenheim mussten wir heute ja auch noch, somit ging jedes Team nur eine Route.

Ich selbst hatte mich für die "Calliope" entschieden, weil mich der Kamin schon vom Lanterna aus förmlich angesprungen hat. Die Route ist sehr abwechslungsreich, am Einstieg gleich ein durchaus fordernder Kamin über 2 SL, Verschneidungen, Platten, kurz – alles dabei. Die Absicherung könnte etwas besser sein, insbesondere der Zustieg zum Kamin, mehr oder minder fast ungesichert. Mobile Sicherungen sind hier nicht anwendbar, also muss man halt einfach durch. Im Kamin dann angekommen, ging’s auch gleich zur Sache. Martin ging voraus, im Nachstieg unser Senior Eckhardt – Stephan und ich staunten ned schlecht, wie sich unser älterer Herr hier routiniert "durchgespreizt" hat; ich wiederhole nochmal, 75 Lenze! – das ist definitiv nachahmenswert.

Arco

Griffig

Schnell wurde dieser relativ weit, gut wer lange Beine hat und tendenziell einen Spagat kann. Hier geht’s nur mit Reibung, aber immerhin sind die Wände nicht abgespeckt. Am Ende des Kamines angekommen, noch ein fordernder Aufschwung und weiter geht’s bis zum Ende dieser SL, nicht weniger sportlich. Im weiteren Verlauf lässt der Spaß keinen Abriss zu, in der 3. SL kommt dann noch mal eine knifflige Stelle an einer Verschneidung, da sind lange Arme gefragt um sich an einem leichten Übergang mit mehr oder weniger keinem Stand herum zu hangeln. Für mich persönlich ist die letzte SL die reizvollste, wenn auch nicht besonders schwer, aber dafür einfach nur schön.

Franz hat die 2te Crew angeführt, die Via Selene, zusammen mit Lissi. Alex und Sandro bildeten die zweite Seilschaft. Unser zweiter Senior, der Werner, hatte es sich heute gemütlich gemacht und einen Tag pausiert. Die ersten 3 SL waren gleich mal recht fordernd, geprägt von klassischer Wand- und Verschneidungskletterei. Insgesamt sehr steiles Gelände mit allerlei Überhängen und Verschneidungen, jedoch durchgehend griffig. Auf der letzten SL war ein zunächst sehr beeindruckender Stand, unterhalb von einem Dach schien diese Stelle zunächst nur schwer überwindbar; jedoch geht’s hier mit Supergriffen routiniert weiter, also lasst euch hier nicht einschüchtern. Die Route selbst ist ganz Arco-typisch gut gesichert mit Bohrhaken, sowie unzähligen Sanduhrschlingen; zusätzliche Absicherung war hier ebenfalls überflüssig.

Arco

Werner, Alex, Sandro, Manfredo, Stephan, Biggi, Franz, Eckhardt, Martin, Lissi

Alle wieder unten im Lanterna zurück angekommen gab’s dann erst mal ein kühles Bier (zumindest für die „Nicht-Autofahrer“) und Pasta satt. Allmählich wurde es dann Zeit zum Aufbruch in Richtung Rosenheim. Nun sollte der Wetterbericht doch noch Recht behalten, auf dem Brenner wurden wir bereits von dichtem Schnee-treiben empfangen, welches sich bis nach Hause fortsetzte – ein Umstand welcher uns an dieser Stelle aber letztendlich "Wurscht" war.
Zusammenfassend – ein super Wochenende unter perfekter Führung durch Martin & Franz, in einem wunderschönen Idyll – der Casa Campedello. Dazu eine ganze Reihe von Genussklettertouren, zusammen verbracht mit lauter netten Leuten … und s’Wetter hat auch noch mitg’macht – schee woa’s :-)


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