Lawinenkurs auf der Lizumer Hütte
27.01. - 28.01.2007

von Leonhard Gilg

Aufstieg

Im Aufstieg

Der im Sektionsprogramm angebotene Lawinenkurs fand das Interesse von 8 Teilnehmern. Geplant und durchgeführt wurde er vom Tourenreferent der Sektion Markus 'Maxl' Tiefenthaler, Skihochtourenführer, und nach diversen Fortbildungen mit der Materie bestens vertraut.

Lizumer Hütte

Zur Lizumer Hütte

Als Einstieg gab es einen Theorieabend am 23.01.2007 mit den Schwerpunkten: Tourenplanung mit Hilfe von Faktorencheck und 3*3 Schema, Lawinenlagebericht, sowie an Hand von Landkarte und Gebietsführer.


Praktische Umsetzung der Theorie

Suche

Auf der Suche

Die Teilnehmer des Lawinenkurses trafen sich am Samstag, den 27.01.2007 um 6.30 Uhr am P+R-Parkplatz in Pfraundorf. Dort wurde alles im VW-Bus vom Maxl verstaut und ab ging es bei dichtem Schneetreiben Richtung Wattens, von dort hinauf zum Lager Walchen. Parkplatz. Ausladen der Ausrüstung, Felle aufziehen, Überprüfen der persönlichen Ausrüstung,(VS-Gerät, Sonde, Schaufel gehören zur Grundausstattung eines Skitourengehers) sowie Biwaksack und Notfallapotheke verteilt auf die Gruppe. Es folgt der zweifache VS-Gerätecheck (Senden und Empfangen). Als dies erledigt ist, steigen wir den Bach entlang zur Lizumer Hütte(2119m) auf, unser Quartier für die nächsten zwei Tage. Die Hütte ist ein großes Haus, erst kürzlich erweitert, man roch noch das frische Holz, und mit erstklassiger Bewirtung.

Schneesturm

Sauwetter

Nach der Mittagspause gab es wieder etwas Theorie im Seminarraum, die wir angesichts der Sturmböen draußen etwas ausdehnen wollten. Besprochen wurde die Suchtaktik und Technik der VS-Geräte wie auch die Unterschiede derselben. Wichtiger als Analog- oder Digitalgerät ist das Vorhandensein von drei Suchantennen statt einer oder zwei. Die derzeit führenden Geräte sind das Pieps DSP und das Pulse Barryvox. Bei diesem Kurs war das Pieps DSP vorhanden, außerdem hatten einige Teilnehmer noch das alte Piepsgerät, ein Ortovox F1 und Ortovox M2.

Es half alles nichts, nach einer Stunde ging es hinaus zur praktischen Suchübung. Etwas abseits der Hütte wurden Zweiergruppen gebildet und das Suchen mit dem VS-Gerät simuliert, auch eine Mehrfachverschüttung, sowie der Einsatz von Sonde und Schaufel. Zum Abschluss des Tages vergrub der Kursleiter drei Rucksäcke mit VS-Geräten auf engem Raum, die jeder Einzelne orten sollte.

Mittlerweile war es Spätnachmittag und sehr kalt und windig, das Warten auf den Einsatz eine echte Gedulds- und Materialprobe und um nicht festzufrieren drehten mehrere Aspiranten immer wieder eine Aufwärmrunde.

Als erster ging Max mit einem Ortovox M2. Obwohl im Umgang mit seinem VS-Gerät geübt, kam er bei dieser Mehrfachverschüttung mit dem M2 an seine Grenzen. Die ersten zwei Geräte wurden schnell geortet, der dritte Rucksack war tiefer vergraben und sein Gerät führte ihn immer wieder vorbei. Insgesamt benötigte er 52 Minuten.

Der Tag neigte sich dem Ende zu und es wurde immer kälter. Nach Rücksprache mit Maxl kehrten bis auf zwei alle zur Hütte zurück. Als nächste machte sich Inge auf die Suche, diesmal mit einem Pieps DSP, der Fall war nach 12 min. gelöst. Noch ein Teilnehmer stellte sich der Aufgabe, dann ging es zurück zur Hütte und in die Wärme.

Nach einem reichhaltigen Drei-Gänge Menü war abends wieder Unterricht im Seminarraum. Anhand von LLB-Bericht, Führer und Landkarte wurden wir aufgefordert, für morgen Tourenvorschläge auszuarbeiten.

LLB - Warnstufe 3 war prognostiziert, Neuschnee, Windverfrachtungen und schlechte Bindung zur Altschneedecke erlaubten max. 30 Grad Hangsteilheit. Nach einiger Diskussion einigte man sich auf Torjoch und Torstein.

Sonntag 28.01.2007

Spuren

Aufstieg im Sonnenschein


Der Tag beginnt mit Schneefall, LLB - tatsächlich Warnstufe 3. Nach dem Frühstück macht sich Maxl auf den Weg, damit auch der Rest der Truppe sich mit Mehrfachverschüttung und Dreikreissuche beschäftigen kann.


Zastrugies

Zastrugies

Als dies erfolgreich abgeschlossen ist, können wir uns aufmachen Richtung Torjoch. Es hat aufgehört zu schneien und wir sehen erstmals die Berge rings um uns. Beim Aufstieg geht die Ausbildung weiter, immer wieder legt einer eine Spur in den Hang unter den kritischen Augen des Kursleiters. Bei einigen steileren Passagen werden Entlastungsabstände eingehalten. Vor einem Hangaufschwung dann ein Checkpoint. Hier wird die Lage analysiert und beschlossen, mit Entlastungabständen weiter zugehen.


Es ging auf Mittag zu und der Wind war wieder heftiger geworden. Die Gruppe erreichte das Torjoch und man erlebte, dass zwischen dem, was man auf der Karte zu lesen glaubte, und dem was ist, oftmals große Unterschiede bestehen. Maxl hatte auch hier den Überblick und erklärte, dass man sich auf einer Karte mit Maßstab 1:50000 leicht täuschen könne. Nach eingehendem Kartenstudium identifizierten wir den mächtigen Bergstock links vom Torjoch als die Graue Wand, der Torstein lag dagegen noch ziemlich weit weg Richtung Nordosten.

komplizierte Spuranlage

Komplizierte Spuranlage

Mit großem Sicherheitsabstand zu den steilen Ostwänden der Grauen Wand ging es weiter zu unserem Tourenziel. Die Schneelage war sehr unterschiedlich. Auf kleinstem Raum wechselten sich meterdicke Triebschneepakete mit abgeblasenen oder vereisten Platten ab. Da der böige Wind in der Höhe Sturmstärke erreichte und es am Gipfel bestimmt auch nicht gemütlicher war, verzichteten wir darauf und traversierten über eine Scharte in die Westhänge des Torsteins.

Sturm

Sturm

Schnell wurden die Felle im Rucksack verstaut und unter vorsichtiger Routenwahl des Kursleiters in Richtung Lizumer Böden abgefahren. Dort gönnten wir uns eine wohlverdiente Pause in der Hütte, bevor wir eine rasante Abfahrt zum Lager Walchen hinlegten. Es folgte die Heimfahrt.

Abschließend war die Gruppe sich einig, über VS-Geräte, Verschüttetetensuche und Skitourentaktik viel gelernt, aber auch zwei schöne Tage in den Tuxer Alpen erlebt zu haben. Dank gilt dem Kursleiter Markus Tiefenthaler, der sich bei der Thematik voll einbrachte, und sich bemühte, jedem Teilnehmer das Wissen zu vermitteln.


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