Hochtour auf den Wilden Pfaff/Stubai Juli 2006

von Maria von Rochow

Eisausbildung

Ganz schön steil

Freitag, Regen und ......nichts. Mit einer Verspätung, was eigentlich nichts außergewöhnliches gewesen wäre. Diesmal war es außergewöhnlich, denn es war erstens nicht ich, die zu spät kam, sondern die anderen. Und zweites kamen die Heißens dann mit einem Krankenwagen daher. Ob das nun eine vorbeugende Rettungsmaßnahme war oder bloß eine Fahrgelegenheit, die uns einfach zur Verfügung stand, weiß ich bis heute noch nicht. (Wir dürfen uns dieses Auto bei einer Krankentransport-Firma ausleihen!! Anm. d. Red.). Als Rettungsfahrzeug kam das Auto jedenfalls gottlob nicht zum Einsatz.


Eisausbildung

Gehen lernen...

Die Fahrt zog sich lange und die Hoffnung auf besseres Wetter wurde immer kleiner und die Gesellschaft für einen Freitag Nachmittag immer müder. Nach kurvigen Bergstraßen waren wir alle froh an die frische Luft zu kommen und stiegen an Wasserfällen, Blumenwiesen und Schafherden vorbei zur Sulzenauhütte hinauf. Der Abend war richtig faul und ich kann mich nicht einmal mehr an eine Kissenschlacht erinnern, aber ich darf mich auch nicht beschweren, denn ich war mit Abstand der müdeste Hund von allen und als erstes im Bett.

Am nächsten Tag ging’s dafür umso früher los und wir wanderten auf den Gletscher, wo Martin uns erst einmal beibrachte mit Steigeisen zu laufen. Wir hüpften auf und ab, um uns an das neue Feeling zu gewöhnen. Dann bohrten wir Eisschrauben ins Eis (wir haben den halben Gletscher durchlöchert) und kletterten die Eiswände hoch. Das Wetter war nicht besser geworden und es war wirklich kalt, doch der Martin lies nichts aus. Und so mussten wir uns gegenseitig aus nicht vorhandenen Spalten bergen, in die wir nicht gefallen waren (um keine Details wegzulassen, muss ich den Teilnehmer der Expedition erwähnen, der seine Brotzeit vergessen hatte und in Jeans im Schnee herumkrebste. Die anderen haben ihn netterweise vorm Hungertod bewahrt und zur Entschädigung haben sie ihm die ehrenvolle Aufgabe des Berichtschreibens übertragen).

Abends in der Hütte haben wir erst mal richtig Reingehauen und uns aufgewärmt. Auch kam der Spyder-Murphy-Gang-geschädigte Rest der Familie Heiß nach. Dann erlebten wir in nächster Nähe ein dramatisches Spektakel. Ein Hubschrauber holte eine ganze Mannschaft vom Gletscher, die sich in Zeit, Weg und Kondition total verschätzt hatten, ein krasses Negativbeispiel, wie es nicht laufen sollte. Für uns Zuschauer richtig spannend, wie lauter erschöpfte Bergsteiger nervlich am Ende vom Hubschrauber abgeseilt und zu uns in die Hütte gebracht wurden. Doch dann war Fußball interessanter und die anderen quetschten sich hinter einen Minifernseh-Bildschirm und schauten die Weltmeisterschaft an (drei Tore von Schweinsteiger).

Eiskurs

Abmarsch am Morgen

Um 6 Uhr früh am Sonntag waren wir schon längst unterwegs und fast an der Gletscherzunge angelangt. Dann arbeiteten wir uns ein Geröllfeld hoch und auf den Schneefeldern seilten wir uns an. So stapften zwei Seilschaften langsam dem Gipfel entgegen. Der Weg vorbei am Zuckerhütl zog sich und wurde immer beschwerlicher. Ich glaube es ist wohl jeder einmal eingebrochen, manchmal bis zum Hals (echt jetzt? Anm. d. Red.). Dann hat Christine, um zu testen ob die Schneedecke hält ihren Stecken in den Boden gerammt, der dann auch gleich einige Meter tiefer lag. Lorenz auch, allerdings am Seil, und zwar als er ihr den Stecken wieder hoch holte.

Der Wilde Pfaff, für viele von uns der erste Dreitausender, war erreicht und wir alle mächtig stolz auf uns und beeindruckt, als die Wolken den Blick auf die riesigen Gletscherflächen ringsum freigaben. Der Abstieg war das absolute Gegenteil. Wir kamen unglaublich schnell vorwärts, die Schneefelder herunter schlitternd. Der Firn war geradezu perfekt und wir bekamen mächtig Geschwindigkeit. Nach einer kurzen Zwischenpause an der Sulzenauhütte hatten wir es immer noch eilig. Wir hatten es geschafft: ich konnte noch Tanzen gehen am Abend und die anderen saßen pünktlich zum Endspiel vor der Glotze. Das hatten wir auf dem Gipfel nicht für möglich gehalten. Der Abstieg, besser gesagt die Abfahrt hat uns wirklich beflügelt.

Eiskurs

Verdiente Rast

Der Martin hat uns total für die Gletschertouren begeistert und wir müssen das unbedingt bald wieder machen, allein schon, damit wir die Spaltenbergung nicht mehr vergessen. Echt schee war`s!


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