Mit dem Bergradl rund um den Dachstein

von Manuela Gronostay

Dachstein

Rund um den Dachstein

Berge sind, glaubt man den Erzählungen vieler Bergsteiger und dem Leuchten in ihren Augen, Orte eines besonderen Glücks. Auch als Mountainbiker möchte man diese Orte des Glücks erreichen. Von diesem Ziel getrieben kamen uns die voraussehbaren Qualen und die vielen Höhenmeter der Dachsteinrunde gerade recht und wir freuten uns alle sehr, dass Maxl diese Tour anbot und alle organisatorischen Vorarbeiten erledigt hatte.

1. Tag: Von Bad Goisern nach Pruggern (80 km, 1.923 hm)


Auffahrt Viehbergalmen

Auffahrt bei trübem Wetter zur Viehbergalm

Bei leichtem Regen ging es in Bad Goisern los. Nachdem alle Sicherheitsstandards von Maxl überprüft worden waren, fuhren wir mit guter Laune los. Die ersten Kilometer waren "relativ" flach und wir konnten uns - trotz einigen Irritationen wegen der Wegführung - gut einfahren. Am späten Mittag - sehr hungrig - erreichten wir eine Jausenstation. Hier wurde einigen bewusst, dass wohl der eigentliche Zweck solch einer Tour die elementaren Erfahrungen sind: wie gut kann frische Milch schmecken! Leider führt diese Erfahrung oft auch zu sehr elementaren Begleiterscheinungen, wenn die Milch mit einer mächtigen Käsekrainer gekrönt wird. Die anstehenden 900 Höhenmeter konnten dadurch nicht von allen Beteiligten umfassend genossen werden.

Vor der Viehbergalm

Rast auf der Viehbergalm

Bei der Nachmittagsrast auf der Viehbergalm schmeckte der Kaffee wieder wunderbar und durch sattgrüne Almwiesen fuhren wir bis Pruggern. Dort erwartete uns eine sehr gemütliche Unterkunft mit einem reichlichen Abendessen und (sehr wichtig) einem Fernseher für die WM!

In den Öfen

Steile Abfahrt durch die Öfen nach Gröbming

Das sehr ausgewogene Verhältnis der teilnehmenden Männer (Jochen, Maxl, Markus, Rainer) und Frauen (Geli, Lisa, Manuela, Martha) führte schon ab dem ersten Tag zu einer Gruppenbildung, an der die geschlechterspezifischen Verhaltensweisen in sportlichen Extremsituationen studiert werden konnten. Die Männergruppe fuhr ausdauernd, stetig und etwas wortkarg voraus. Diese Ausdauer war auch bei den mitfahrenden Frauen vorhanden. Angereichert wurde sie aber durch eine Redefreudigkeit, die sich in einem breiten Spektrum an Themen äußerte. Nicht nur die Bildungspolitik stand auf der Agenda, nein auch tiefenpsychologische, sport- oder lebenswissenschaftliche Überlegungen wurden hier angestellt. Die Männer waren auf jeden Fall froh, diesen ausschweifenden Ausführungen nicht folgen zu müssen.

Erster Blick auf den Dachstein

Erster Blick auf den Dachstein

2. Tag: Von Pruggern nach Annaberg (67 - 81 km, 1.790 - 2600 hm)

In der Früh ging es mit Sonnenschein zur nächsten Herausforderung. Geli, die unter schmerzhaften Hautirritationen an für das Radlfahren wichtigen Körperteilen litt, legte eine sehr kleine Abkürzung ein. Sie konnte aber durch gutes Zureden von Martha zu einer Weiterfahrt motiviert werden. Wir freuten uns alle sehr darüber und erkennen hiermit die große Leistung von Geli an.

Hingegen nahmen Maxl und Rainer noch eine zusätzliche Runde von einigen hundert Höhenmetern in Angriff, allerdings konnten sie die restlichen Teilnehmer (Martha schwankte sehr) nicht motivieren, mit zu fahren.

Bischofsmütze

Die imposante Bischofsmütze im Gosaukamm

Wir trafen uns zum Kaffe in Filzmoos. Hier ging erstmals ein Bruch durch die Gruppe. Bedingt durch den Schweregrad der Fußballbesessenheit trennten sich unsere Wege. Die wahren Fußballbesessenen (Geli, Martha, Jochen und Manuela) ließen die in Aussicht stehenden Höhenmeter sausen und fuhren geradewegs und schweißgebadet vor den Fernseher. Deutschland - Schweden: ein tolles Spiel und ein kühles Bier waren ein wunderbarer Ersatz.

Anmerkung von Maxl: Rainer legte sich gleich ins Bett, Markus, Lisa und ich fuhren noch eine kleine Runde zur traumhaft unter der Bischofsmütze gelegenen Looseggalm hoch und erfreuten uns dort neben dem kühlen Bier auch noch an der Aussicht und der kühlen Luft.

Am Abend genossen wir den Anblick der Johannisfeuer auf der Bischofsmütze. Die klare Luft und die faszinierende Aussicht konnten auch durch einen engagierten drittklassigen Alleinunterhalter mit Liedern wie "I am singing in the rain" nicht getrübt werden. Sehr zufrieden schlenderten wir in unsere Unterkunft (getrennt nach Frauen und Männern). Die Fußballfans schauten noch bis Mitternacht, der Rest ruhte die schon etwas müden Beine aus. Nachdem noch schnell die Radlhosen im Ofen bei 200 Grad getrocknet werden mussten, stand dem nächsten und wohl sehr anstrengendem Tag nichts mehr im Weg.

Einweisung

Wo geht es heute lang?

3. Tag: Von Annaberg nach Bad Goisern (80 km, 2.000 hm)

Wieder ein sonniger Tag und die Laune der Gruppe konnte nicht besser sein. Den Frauen wurde von Maxl am "Fast"-Ziel in Hallstatt ein Eis in Aussicht gestellt und ein kühles Bad im Hallstätter See lockte ebenfalls.

Doch bis dahin waren noch einige Höhenmeter fällig, die allerdings mit wirklich faszinierenden Aussichten, wie z. B. der direkten Sicht auf den Dachsteingletscher gekrönt wurden.

Die Intensität der Erfahrung den Gipfel erreicht zu haben, beschränkte sich aber glücklicherweise nicht nur auf den Moment in dem man den Scheitelpunkt erreicht hat, sondern liegt wohl vor allem darin, die gerade erkämpften Höhenmeter in kürzester Zeit wieder bei der Talfahrt zu verlieren. Da dies am dritten Tag oft der Fall war, trösteten wir uns mit dieser Überlegung.

Gosausee

Der Gosausee mit dem Dachsteingletscher

In Gosau nahmen Geli und Jochen den näheren Weg zum Ziel. Die restlichen Teilnehmer fuhren, aus oben genannten Glücks-Überlegungen, einen Umweg mit einigen Höhenmetern. Den Gosausee anzuschauen war eine Pracht und wir waren uns einig, jeder Schweißtropfen hätte sich allein dafür gelohnt. Nach einer kurzen Rast mit frischem Quellwasser kam allerdings noch eine sehr, sehr lange Schiebe- und Tragestrecke, bei der sogar die Gespräche der Frauen verebbten!!! Nach diesem Kraftakt folgte die letzte Abfahrt vorbei an einer gigantische Klamm im Gletschergarten. Das Eis in Hallstatt schmeckte vorzüglich, das Baden musste leider verschoben werden. Der erfolgreiche Gruppenzusammenschluss erfolgte in Bad Goisern.

Tragestrecke

Die einzige Tragestrecke der Tour - dafür aber saftig...

Von uns allen geht ein großes Lob an Maxl, der sehr gut geplant und organisiert hat. Mit dem Spaß, den er selbst am Bergradln hat, hatte er jeden infiziert und uns sozusagen damit den Weg zu den Orten des Glücks geebnet.

Letzte Rast

Letzte Rast...


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