Corona zum Trotz und der Erlebnispädagogik zu Ehren
03. - 05.07.2020

von Bärbel Kochinke und Pia Langer

Am 03.07.2020 startet eine von 8 auf 4 Teilnehmer reduzierte, aber hochmotivierte Frauengruppe zum Thema "sich vertrauen - anderen vertrauen" und "Selbstvertrauen statt Angst" zu einem Kletterwochenende ins Ötztal. Zwei Tage zuvor trafen sich Alle zum ersten Mal, lernten sich kurz kennen, gaben ihre Wünsche bezüglich des Wochenendes und im Umgang mit den Maßnahmen zu COVID 19 preis und Bärbel fragte nochmals die Bereitschaft der Teilnehmer ab, ob sie sich wirklich auf pädagogische Methoden einlassen wollen, da dieses Wochenende die Grundlage für ihre Projektarbeit in der Zusatzausbildung "Erlebnispädagogik" werden sollte.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte es durchgehend geregnet und der Wetterbericht versprach erst Freitagnachmittag einkehrende Trockenheit, weshalb Bärbel und Pia, die 2 Leitungen, sich gegen "Tumpen" aber für einen Start in der "schwesterlichen" Kletterhalle in Wörgl entschieden, was dankbar von allen Teilnehmern begrüßt wurde, da die letzten "Züge in einer Wand" bei dem ein oder anderen schon einige Zeit zurück lagen.

Erlebnispädagogik

Im gemütlichen Bistrobereich offenbarte Bärbel den Teilnehmern bei einer Tasse Cappuccino ihre erstellte "road map" für den heutigen Tag, so dass im Anschluß nur noch die coolen, beschrifteten Stühle des Bistros Fragen offenließen, wie z.B. "Wieviel Anmut und Kraft stecken in 2g Schmetterlingen"????

Mit einer Wahrnehmungsübung bezüglich des "innen und außen Fokus" starteten wir erst am Boden und übten diese anschließend, in von uns eingerichteten Tope Rope Stationen, in der Wand.

Als weiteres Handwerkszeug im Umgang mit der aufkommenden Angst in Schlüsselstellen, machten wir Atemübungen und suchten uns für unseren "inneren Dialog" eindeutige Aussagesätze, die auch klare Anweisungen beinhalten konnten, wie z.B. "Stell Dich sauber hin", "Rechte Hand greift weiter", "Zieh durch", "Du schaffst das".......

Die Anwendung und Umsetzung übten Alle im Anschluß an eine genüssliche Mittagspause im Vorstieg und im persönlichen Grenzbereich ein, bis die Arme dick wurden und die Kraft nachließ.

Erlebnispädagogik

Nach einer Reflexions- und Dehnungsrunde, einem Blick auf die "road map" für morgen, und 2 Std. Autofahrt trafen wir in unserer bereits im vergangenen Jahr erprobten Unterkunft, dem "Haus Renate" in Längenfeld, ein. Während sich alle einrichteten und duschten, kochte Pia, die frisch Corona negativ getestet war, Nudeln und wusch und schnippelte das Gemüse für den Salat. Mit Martinas selbst gemachter Petersilien-Erdnuss- und Basilikum-Pesto ergab es ein köstliches Abendessen, dessen Verdauung mit Hilfe von Rotwein und Rhabarberlikör gefördert wurde....

Ein Massagegerät aus Vroni´s Hausstand, das wir nacheinander für eine 1/4 Std an unserem Nacken und an unseren Schultern anlegten, brachte die endgültige Entspannung...für einen erholsamen Schlaf in unseren einzeln stehenden Betten.

Nach einem gemütlichen und reichhaltigen Frühstück bei "Renate" am nächsten Morgen, suchten wir den nahegelegenen Klettergarten Oberried auf, wo Bärbel und Pia als erstes eine Abseilpiste mit nachlassbarem System über 15m einrichteten. Währenddessen hatten die Teilnehmer Zeit ihre "Motivationsmantras" schriftlich fest zu halten und sich mit der bevorstehenden Herausforderung auseinander zu setzen. Da sich großer Respekt bei einigen vor dem Abseilen aufbaute, weil es keine Vorstellung davon gab, wie man sich selbst in einer Wand halten konnte, übten wir das selbstständige Ablassen erstmal auf einer abschüssigen Wiese, von einem Baum aus.

Erlebnispädagogik

Mit der so gewonnenen Sicherheit im Handlungsablauf, ging es zuversichtlich an die Wand. Im Fokus aufs hier und jetzt, einer intensiven Atmung, Motivation durchs eigene Mantra, den "inneren Dialog", und durch die Leitung von außen, schaffte es jede Teilnehmerin ihre Angstschwelle zu überwinden und gewann Meter für Meter mehr Selbstvertrauen, was sich, wieder am Boden angekommen, in einem Glücksgefühl erleben ließ.

Erlebnispädagogik Erlebnispädagogik Erlebnispädagogik

In der anschließenden Reflexionsrunde versuchte jeder, mit Hilfe der "Gefühlsmonster" nochmals bildlich klar zu bekommen, welche Gefühle er durchlebt hatte und was am besten geholfen hat die eigene Angst zu überwinden.

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Hochmotiviert ging es danach, je nach Kletterkönnen im Vorstieg oder Tope Rope, in die Routen, bis die Arme lang und der Klettergarten, da er sehr kinderfreundlich ist, so voll wurde, dass wir uns auf unsere mitgebrachten Isomatten zur Brotzeit und abschließend zu Dehn-und Yogaübungen auf die herrlichen Wiesen drum herum niederließen.

Erlebnispädagogik

Völlig entspannt kam es dann zu folgender, einstimmig beschlossener, weiteren Ablaufplanung:

  • Eiskaffee trinken in Längenfeld
  • Baden im Natursee Umhausen
  • Duschen in der Pension
  • Pizza essen gehen im  Don Camillo 

Punkt 2 sollte sich unerwartet zu unserem ökologischen  Highlight  entwickeln. Von unserem Holzsteg aus, in der noch wundervoll wärmenden Abendsonne, glitten wir ins angenehm kühle Nass und entspannten uns....allerdings unter Beobachtung, wie wir nach einer Weile erstaunt feststellen durften! Denn bei genauerem Blick ins naturtrübe Wasser, fanden wir uns Auge in Auge mit bis zu 10cm großen Bergmolchen wieder, die uns kess von der Seite her beäugten. Wenn sie genug von uns hatten, winkten sie uns kurz mit ihrer linken Pfote und blinkerten uns ihren orangen Bauch zu, bevor sie außer Sichtweite abtauchten.

Erlebnispädagogik

Begeistert von den netten, kleinen Kerlchen, die wie Delfine ein Dauerlächeln in ihrem Gesicht mit den großen, runden Augen trugen, fanden wir heraus, dass sie am Ufer am besten zu beobachten waren. Mindestens eine halbe Std. zog uns ihr spielerisches Treiben in den Bann. Mal schubste einer eine Luftblase vor sich her und spielte wie ein Ball mit ihr, dann zupfte einer einen Wasserläufer am Fuß und nahm dessen Verfolgung auf, bis dieser genervt das Weite suchte, oder ein farbenfrohes Männchen umschwänzelte ein Weibchen. Der Steckbrief eines Bergmolches (Ichthyosaura Alpestris) ist unter www.bund-naturschutz.de gut nachzulesen!!! :)
Erst als unsere Mägen deutliche Signale gaben, gingen wir zu Punkt 3 und 4 über!

Abschiedsstimmung machte sich schon am nächsten Morgen breit, als wir nach dem Frühstück unsere Zimmer räumten, und schon jetzt war uns klar, dass ein Wochenende einfach immer zu kurz ist! Bevor wir nach Starkenbach zum Klettern an den Fels fuhren, leitete Bärbel uns im Wäldchen von Oberried noch zu einem Vertrauensspiel an, das wir anschließend reflektierten und dabei feststellten, das wir uns bereits so wohl miteinander fühlten und soviel Vertrauen zueinander hatten, wie die Teilnehmer zuvor selten in einer Gruppe erlebt hatten.

Der Klettergarten Starkenbach allerdings hieß uns erstmal nicht sehr herzlich willkommen:
Gott sei Dank kam es 2 Routen nebenan zu Steinschlag, während wir unsere erste Tour kletterten. Das herunter polternde und zerberstende Gestein jagte uns erstmal einen ziemlichen Schrecken ein! Wenig später konnte Pia einen Schrei nicht unterdrücken, als sie sich im Vorstieg plötzlich Auge in Auge mit einer Schlange wieder fand, die aber, Gott sei Dank, erst einen halben Meter groß war und nach kurzer Überlegung, so schien es, sie nicht ansprang, sondern sich entschied, unter ihr hindurch, auf die linke Seite, in eine Felsspalte abzutauchen....
....trotz allem blieben wir noch für ca.5 Routen/Person, da Wolken kamen, die das Klettern an der sonnigen Südwand erträglich machten und der Fels letztlich mit seinen schönen Routen überzeugte.

Erlebnispädagogik

Eine Badegumpen fanden wir diesmal leider nicht zur Abkühlung, dafür aber ein schattiges Plätzchen für die Brotzeit und die Abschlussrunde, in der jeder nochmals betonte, wie wohl er sich in der Gruppe gefühlt hat und dass jeder für sich viel mitnehmen konnte. Ein besonderer Dank wurde Bärbel für ihren durchdachten Fahrplan und die tolle Führung durchs Wochenende ausgesprochen. Sie selbst bedankte sich herzlichst fürs Teilnehmen und Mitmachen, und war froh jetzt ihr  Projekt  in der Tasche zu haben! Der Wunsch nach einem Nachtreffen kam auf, ebenso wie der nach einem Eiskaffee, für den wir sogar gemeinsam nach Imst fuhren, bevor wir in unseren Fahrgemeinschaften die Heimreise antraten.

Vielen Dank, es war schön mit Euch! Wir freuen uns schon wieder auf das nächste Jahr!
Bärbel und Pia

Erlebnispädagogik

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