(E-)Mountainbiken i den Dolomiten
August 2018

von Martina Ludsteck

„Tolerierst Du E-Biker?“, wurde ich bei der ersten Kontaktaufnahme von Helga gefragt. „Na klar“, gab ich mich verständnisvoll, während ich innerlich die Anmeldung zur Tour schon bereute. Ich erinnerte mich an einen kollabierenden Mann am Gardasee, der gegen seine Frau mit Strom verlor, oder an die Auffahrt von Stans zur Lamsenjochhütte, als ich bei 35°C hunderte von Höhenmetern schob, während andere E-Bike-Fahrer langärmlig an mir vorbei schwebten. Aber gut, da musste ich nun durch und lernte beim Brückenwirt in Brannenburg Helga und Rainer, Sieglinde und Alois, Hermine und Markus kennen. Karen kannte ich schon. Der erste Eindruck war schon mal positiv.

MTB Dolomiten

Die Anfahrt war trotz Ferienbeginn entspannt, da wir gegenüber den Münchnern ein Stündchen Vorsprung hatten. In Völs startete die erste Rundtour – wie auch alle anderen Touren – entspannt, und zwar mit Eis und Kaffee in einer Bar. Die Auffahrt war ohne Hektik und unsere zwei E-Biker hielten sich entgegen aller Befürchtungen dezent im Hintergrund. Von nun an war auch ich entspannt. Einzige Herausforderung waren die zahlreichen Bremsen, gegen die man sich als Biker so schlecht wehren kann. Am Abend fuhren wir noch in das 45 Minuten entfernte Hotel Diana an der Karerpass-Straße, das Helga noch von früher kannte. Essen und Zimmer waren hervorragend. Die an diesem Abend stattfindende Mondfinsternis konnte die Hälfte der Mannschaft beobachten, die sich aufmachte, auf den Karerpass zu fahren, wo der Blutmond hinter den Bergen und den Wolken hervorkam.

MTB Dolomiten

Am Samstag machten wir die Latemar-Umrundung. Auf dem Weg lag der wunderschöne Karersee, in dem sich das Latemarmassiv spiegelte. Ein Postkartenmotiv, weshalb wir nicht alleine dort waren. Karen hatte an diesem Tag irgendwie zu viel Kraft und zerlegte beim Antreten einen ihrer vorderen Zahnkränze in zwei Hälften, womit die kleinsten Gänge schon mal wegfielen. Immerhin hatte sie für den ersten Anstieg noch alle Gänge zur Verfügung. Hätte also schlimmer kommen können. :-) Die Euphorie über die bislang unentdeckten Kräfte schlug sich dann auch gleich in einem höheren Tempo nieder - und zwar für alle. Die Strecke änderten wir leicht ab zugunsten der etwas flacheren Teerstraßenauffahrt. Zu sehen gab es neben tollen Panoramen auch schicke Autos. Am Karerpass gab es dann erst mal ein Päuschen, bevor es im Wald recht steil, dafür aber auch schnell zur nächsten Eisdiele ging. Nach einer kurzen Radwegstrecke erreichten wir unser nächstes Ziel: die Gondelbahn Predazzo-Gordone um ins Latemargebirge zu gelangen. Einige in der Gruppe hatten an diesem Tag noch zu viel Energie und wollten sich bis zur Mittelstation selbst quälen. Karen wollte, konnte aber nicht. Ich konnte, wollte aber nicht. Aufopferungsvoll bot ich Karen mein Rad an und nahm mit ihrem angeschlagenen Rad die Gondel. Ich bin endlich angekommen: Im Urlaub, und niemand fand das komisch. Von oben gesehen erinnerte mich der Weg an den Schinder zur Mitteralm, nur dass hier die gesamte Strecke so steil war. Während sich die anderen plagten, freute ich mich auf der Mittelstation umso mehr über mein Nickerchen. Nachdem alle Räder und Radler die zweite Sektion bis zur Bergstation mit der Seilbahn fahren durften, umrundeten wir die zweite Hälfte des Latemargebirges und rollten dann im Auf und Ab durch die Dörfer zurück ins Hotel.

Am Sonntag befuhren wir die Rosengarten-Querung von Welschnofen über den Nigerpass. Karen war mit einem Leihrad wieder bestens ausgerüstet. So plagten wir uns erst auf steilem Teer und dann eine Schotterstraße bis zum Nigerpass. Ab hier führte uns ein wunderbarer Weg unterhalb des Rosengartens entlang und wir konnten den Blick auf die westlichen Vajolettürme genießen. Die Querung zum Karerpass über Wiesentrails und Wurzelpassagen forderte noch unseren Mut und unser technisches Können. Zum Abschluss ließen wir die Räder die Passstraße runterrauschen, nochmal vorbei am Karersee, bis zum Hotel.

MTB Dolomiten

Insgesamt erlebten wir drei sehr entspannte, von Helga und Rainer top organisierte Tage in herrlicher Landschaft bei bestem Wetter.


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